Seit Juli 2021 gibt es das One-Stop-Shop-Verfahren. Fünf Jahre, in denen wir über 100 OSS-Konfigurationen in JTL-Wawi umgesetzt haben. Und in denen sich ein Muster gezeigt hat: Fast jeder Händler richtet OSS irgendwann ein, aber kaum einer prüft, ob die Steuersätze pro Land wirklich korrekt herauskommen.
Genau da liegt das Problem. OSS regelt, wo du deine Umsatzsteuer meldest. Welcher Satz auf welchen Artikel in welchem Land gilt, muss trotzdem in deiner Warenwirtschaft abgebildet sein. Und das ist in JTL-Wawi im Standard nur begrenzt möglich.
Das eigentliche Problem: eine Steuerklasse für 27 Länder
In JTL-Wawi legst du Steuersätze pro Land an, üblicherweise einen Standard- und einen ermäßigten Satz. Ein Artikel bekommt dann eine Steuerklasse zugeordnet, zum Beispiel "Standard". Die Folge: Der Artikel wird in jedem EU-Land mit dem dortigen Standardsatz verkauft. Ordnest du "Ermäßigt" zu, gilt in jedem Land der dortige ermäßigte Satz.
Das funktioniert genau so lange, wie deine Artikel in allen EU-Ländern in derselben Kategorie liegen. Sobald das nicht mehr stimmt, wird es unangenehm, und zwar in beide Richtungen.
Fall 1: Du berechnest zu wenig Steuer
Ein Artikel ist in Deutschland ermäßigt, in Frankreich aber Standard. Mit der klassischen Konfiguration verkaufst du ihn in Frankreich ebenfalls ermäßigt. Du führst zu wenig Umsatzsteuer ab, was bei einer Prüfung nachgefordert wird. Gleichzeitig bist du günstiger als der Wettbewerb, weil dein Bruttopreis auf einer falschen Steuerbasis steht. Das ist ein Wettbewerbsvorteil, den du nicht haben darfst, und ein Abmahnrisiko.
Fall 2: Du berechnest zu viel Steuer
Der umgekehrte Fall ist kaufmännisch oft teurer. Dein Artikel läuft in Deutschland zum Standardsatz, im Zielland gilt aber der ermäßigte Satz. Du führst mehr Umsatzsteuer ab, als dem Staat zusteht, und dein Preis ist bei gleicher Marge höher als der deiner Mitbewerber vor Ort.
Ein Rechenbeispiel: Du machst 10.000 Euro Bruttoumsatz pro Monat in Frankreich mit Artikeln, die dort mit 5,5 Prozent zu versteuern wären. Mit 20 Prozent gerechnet führst du rund 1.667 Euro Steuer ab, korrekt wären rund 521 Euro. Über 1.100 Euro pro Monat, die entweder deine Marge oder deine Preisposition kosten.
Weg 1: die einmalige Standardkonfiguration
Wenn dein Sortiment steuerlich einheitlich ist, brauchst du kein Tool. Dann reicht eine saubere, einmalige Konfiguration in JTL-Wawi: Steuersätze für alle relevanten EU-Länder anlegen, Standard- und ermäßigte Sätze hinterlegen, Steuerklassen zuordnen, fertig.
Das ist der Weg für dich, wenn deine Artikel überall in der EU dem Standardsatz unterliegen. Der Preis dafür: Du legst dich fest. Ein Artikel, der in einem Zielland ermäßigt wäre, wird trotzdem zum Standardsatz verkauft. Das ist steuerlich unkritisch, kostet dich aber Marge oder Wettbewerbsfähigkeit in genau diesem Land.
Diese Konfiguration übernehmen wir als einmalige Dienstleistung. Für viele Händler ist das die richtige Antwort, und wir sagen das auch so.
Weg 2: go-OSS 2.0 für echte Steuersätze pro Land
Wenn dein Sortiment steuerlich gemischt ist, brauchst du mehr als zwei Steuerklassen. Genau hier setzt go-OSS 2.0 an.
Das Plugin arbeitet auf Basis der TARIC-Codes und erzeugt in JTL-Wawi alle relevanten Steuerklassen-Kombinationen. Ein Beispiel: Ein Artikel ist in Deutschland ermäßigt, in einem Teil der EU Standard, in einem anderen Teil zero-rated. Aus dieser Konstellation entsteht eine eigene Steuerklasse, die du dem Artikel zuordnest. Ab dann spielt JTL-Wawi pro Land den tatsächlich richtigen Satz aus.
Der praktische Effekt: Du bist nicht mehr an "überall Standard" oder "überall ermäßigt" gebunden, sondern kannst pro Land unterschiedliche Sätze fahren, ohne dein Sortiment künstlich aufzuteilen.
Wann sich go-OSS 2.0 rechnet
Wir bekommen diese Frage in fast jedem Gespräch. Die Antwort besteht aus vier Punkten, und sinnvollerweise treffen alle vier zu.
1. Dein Shop kann mehrere Steuerklassen verarbeiten
JTL-Shop, Shopify und Shopware können das. JTL-Shop übernimmt sämtliche Steuerkonfigurationen aus JTL-Wawi und spielt sie im Frontend korrekt aus. Ohne diese Fähigkeit auf Shopseite bringt dir die feinere Konfiguration in der Wawi nichts.
2. Du erstellst Aufträge direkt in JTL-Wawi
Wenn du Sofortkauf nutzt und Aufträge direkt in der Wawi anlegst, ermittelt das Plugin die richtige Umsatzsteuer pro EU-Land und schreibt sie direkt in den Auftrag. Das ist der Fall, in dem sich das Plugin am schnellsten bezahlt macht, weil du sonst manuell nacharbeiten müsstest.
3. Du hast relevanten Auslandsumsatz
go-OSS 2.0 kostet aktuell 62,50 Euro pro Monat. Das muss sich aus deinem Auslandsumsatz heraus rechnen. Bei mehreren Tausend Euro Umsatz in einem einzelnen EU-Land und Artikeln in unterschiedlichen Steuerkategorien ist das schnell erreicht. Bei gelegentlichen Bestellungen nach Österreich nicht.
4. Dein Sortiment ist steuerlich gemischt
Typische Kandidaten sind Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Textilien. Ein konkretes Beispiel: Schuhe laufen in Deutschland zum Standardsatz, in Luxemburg gilt für Kinderschuhe ein deutlich niedrigerer Satz. Wer solche Artikel im Programm hat, verliert mit einer Einheitskonfiguration in jedem Monat Geld.
Wenn alle vier Punkte passen, ist go-OSS 2.0 das richtige Werkzeug. Wenn du ausschließlich Standardsätze führst, ist es das nicht, und dann sagen wir dir das im Gespräch auch.
Ergänzung für JTL-Shop: richtige Preise schon vor dem Checkout
Ein Punkt, der in der Praxis oft untergeht: Der JTL-Shop übernimmt die Steuerkonfiguration aus der Wawi, kann den landesspezifischen Preis aber erst dann ausspielen, wenn das Lieferland bekannt ist. Ein Besucher aus Frankreich sieht auf der Artikelseite also zunächst deutsche Preise.
Für JTL-Shop-Nutzer empfehlen wir deshalb zusätzlich das Plugin OSS Lieferland von Webstollen. Es erkennt das Lieferland per Geo-IP, lässt es den Besucher bestätigen und zeigt ab dann im gesamten Shop die Preise und Steuersätze des jeweiligen Landes an. Du kannst dabei wählen, ob der Nettopreis konstant bleibt und der Bruttopreis mit dem Steuersatz mitläuft, oder umgekehrt. Praktischer Nebeneffekt: Die an Google Shopping übergebenen Preise bleiben mit den Shoppreisen synchron, was Ablehnungen von Anzeigen vermeidet. Das Plugin liegt bei 149 Euro.
Das ist kein Produkt von uns, sondern eine Empfehlung. Zusammen ergibt es ein rundes Bild: go-OSS 2.0 sorgt für die korrekten Steuersätze in der Warenwirtschaft, OSS Lieferland dafür, dass der Kunde sie im Shop auch von Anfang an sieht.
Was du als nächstes tun solltest
Der erste Schritt ist keine Softwareentscheidung, sondern eine Bestandsaufnahme. Prüfe mit deinem Steuerberater, welche deiner Artikelgruppen in deinen wichtigsten Zielländern abweichend besteuert werden. Danach ist die Antwort auf die Frage "einmalige Konfiguration oder Plugin" meist eindeutig.
Die steuerliche Einordnung deiner Artikel können und dürfen wir nicht übernehmen, das ist Aufgabe deines Steuerberaters. Was wir übernehmen, ist die korrekte technische Umsetzung in JTL-Wawi, in beide Richtungen.
Alle Details und die Möglichkeit zur Buchung findest du hier: go-OSS 2.0 für JTL-Wawi.
Du bist unsicher, welcher Weg zu deinem Sortiment passt? Melde dich, nach über 100 OSS-Konfigurationen wissen wir recht schnell, wohin die Reise geht.





