Auf der JTL Connect am 2. Oktober in Köln hat JTL Juno gestartet, seinen eigenen KI-Agenten. Auf der Produktseite klingt das groß: Juno soll Serviceanfragen erledigen, bevor du ins Postfach schaust, dir morgens Umsatz und Marge je Artikel hinlegen und Preise automatisch an den Wettbewerb anpassen.
Im JTL-Guide liest sich der Start nüchterner. Zum Beginn der Closed Beta kann Juno eine Sache: Bestellvorschläge auf Basis deines Bestands. Alles andere ist laut JTL in Arbeit.
Das ist kein Vorwurf, so starten Betas. Wer heute plant, ob und wann Juno für ihn interessant wird, sollte aber beide Seiten kennen. In diesem Ratgeber trennen wir das Versprechen vom aktuellen Stand, erklären die Voraussetzungen und was es mit dem MCP-Server auf sich hat, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt.
Das Wichtigste in Kürze
- Juno ist seit dem 2. Oktober 2026 in der Closed Beta. JTL schaltet nur wenige Händler auf einmal frei, mit persönlichem Onboarding.
- Heute kann Juno Bestellvorschläge auf Basis deines Bestands machen. Pricing, Kundenservice, ein BI-Dashboard und die Verbindung zum MCP-Server des ERP sind laut JTL in Arbeit.
- Juno handelt standardmäßig erst nach deiner Freigabe. Wie viel er selbstständig darf, legst du fest.
- Du brauchst das ERP (bisher JTL-Wawi) ab Version 2.2 und eine Verbindung zur JTL Cloud.
- Die Beta ist kostenlos, mit einem monatlichen Kontingent an Tokens.
- Bei JTL gibt es zwei verschiedene MCP-Server: einen für die Entwicklerdoku, der heute schon läuft, und einen für das ERP, dessen Verbindung zu Juno noch in Arbeit ist.
Was ist Juno?
JTL beschreibt Juno als KI-Agenten, der deine Prozesse im Blick behält und selbst Maßnahmen ausführen kann. Der Unterschied zu einem Chatbot: Ein Chatbot beantwortet Fragen, ein Agent erledigt Aufgaben. Juno soll Daten aus den angebundenen JTL-Apps auswerten, erkennen, was als Nächstes zu tun ist, und das nach deiner Freigabe umsetzen.
Laut JTL ist es dabei überall derselbe Juno, nur jeweils mit dem passenden Kontext:
- im ERP beim Bestand und Einkauf
- im Customer Service Agent (aus GREYHOUND wurde Customer Service) bei wiederkehrenden Kundenanfragen
- in Insights bei Umsatz und Marge
Weil Juno in allen JTL-Anwendungen arbeiten soll, sieht er laut JTL Bestand, Auftrag, Kunde und Marge im selben Zusammenhang. Das ist der eigentliche Unterschied zu einer einzelnen KI-Funktion in einem einzelnen Programm.
Was Juno heute kann und was noch kommt
- Einkauf: Laut Produktseite: Bestand prüfen, fertiger Nachbestellvorschlag. Laut JTL-Guide zur Closed Beta: verfügbar, Bestellvorschläge auf Basis des Bestands.
- Pricing: Laut Produktseite: Preise innerhalb einer Marge automatisch anpassen. Laut JTL-Guide zur Closed Beta: in Arbeit.
- Kundenservice: Laut Produktseite: Routineanfragen beantworten und im ERP abschließen. Laut JTL-Guide zur Closed Beta: in Arbeit.
- Zahlen: Laut Produktseite: Umsatz und Marge je Artikel, BI-Dashboard. Laut JTL-Guide zur Closed Beta: in Arbeit.
- ERP-MCP: Laut Produktseite: nicht erwähnt. Laut JTL-Guide zur Closed Beta: in Arbeit.
Einen Termin für die nächsten Funktionen nennt JTL nicht. Auch für eine offene Beta oder den regulären Betrieb gibt es noch kein Datum.
Führt Juno Aktionen selbstständig aus?
Nicht ohne dich. Juno schlägt laut JTL standardmäßig etwas vor und handelt erst nach deiner Freigabe. Du bestimmst, wo Juno eigenständig arbeiten darf und wo er dich fragen muss.
Das klingt beruhigend, ersetzt aber keine eigenen Regeln. Bevor ein Agent Bestellungen auslöst oder Preise ändert, solltest du festlegen, wer im Team Vorschläge freigeben darf und ab welcher Menge oder welchem Betrag eine zweite Person draufschaut. JTL verspricht auf der Produktseite, dass alle Schritte transparent einsehbar sind. Zu Rollen, Wertgrenzen und Rückabwicklung steht im Juno-Guide bisher nichts.
Was du für Juno brauchst
- Das ERP (bisher JTL-Wawi) ab Version 2.2. Die Version ist Anfang Oktober erschienen. Wenn du auf einer älteren Version arbeitest, steht zuerst das Update an.
- Eine Verbindung zwischen Wawi und JTL Cloud. Dafür brauchst du eine JTL ID, eine Organisation im JTL Hub und die laufenden Cloud-Dienste auf deinem Wawi-Rechner. Wie das zusammenhängt, erklären wir in unserem Ratgeber zu JTL Hub, Cloud ERP und Cloud API.
- Eine Freischaltung für die Closed Beta. Im App Store installieren oder im Kundencenter freischalten musst du laut JTL nichts.
So meldest du dich an: Im JTL Hub gibst du im Juno-Feld unter „Was kann ich heute für dich tun?“ etwas ein und schickst es ab. In der Ansicht danach wählst du „Für die Closed Beta eintragen“. Sobald du freigeschaltet bist, bekommst du eine E-Mail. Wenn gerade keine Plätze frei sind, schickt JTL keine gesonderte Absage.
Was kostet Juno?
Die Closed Beta ist kostenlos. Pro Monat steht dir eine begrenzte Zahl von Tokens zur Verfügung, also ein Kontingent für die Arbeit der KI. Reicht es nicht, kannst du eine Erhöhung über deinen Ansprechpartner bei JTL oder über eine Supportanfrage beantragen. Wie groß das Kontingent ist und was Juno im regulären Betrieb kostet, hat JTL noch nicht veröffentlicht.
Laut JTL brauchst du keinen separaten KI-Account und keine externen Dienste. Die KI-Funktionen sollen Teil deiner JTL-Edition sein und DSGVO-konform innerhalb deiner JTL-Umgebung laufen.
Was ist ein MCP-Server, und welcher ist gemeint?
MCP steht für Model Context Protocol. Das ist ein offener Standard, über den KI-Assistenten wie Claude oder ChatGPT auf Werkzeuge und Daten zugreifen. Statt für jede KI eine eigene Schnittstelle zu bauen, stellt ein System einen MCP-Server bereit, und jede KI, die MCP versteht, kann damit arbeiten. Was sie dort darf, bestimmt der Server.
Bei JTL tauchen gerade zwei MCP-Server auf, die leicht verwechselt werden:
1. Der MCP-Server für die Entwicklerdoku. Er läuft heute schon. Entwickler binden ihn in Werkzeuge wie Claude Code, Cursor oder GitHub Copilot ein. Die KI kann dann Fragen zur JTL-Plattform beantworten und Code für Apps schreiben, weil sie die aktuelle Dokumentation kennt. Mit deinen Daten hat er nichts zu tun. Er liest keine Aufträge, keine Kunden und keine Bestände.
2. Der MCP-Server des ERP. Im Juno-Guide führt JTL als nächste Funktion die „Verbindung zwischen dem MCP-Server unseres ERPs und Juno“. Das ist der Teil, der für Händler spannend ist: Über ihn soll Juno strukturiert auf die Daten und Funktionen deines ERP zugreifen. Einen Termin dafür gibt es nicht. Ob JTL diesen MCP-Server später auch für andere KI-Werkzeuge öffnet, hat JTL bisher nicht gesagt.
Unabhängig von JTL bieten Drittanbieter schon eigene MCP-Server für JTL-Wawi an, die meist direkt auf die Datenbank zugreifen. Die sind nicht von JTL geprüft. Wer so etwas einsetzt, sollte vorher klären, welche Daten die KI lesen und ändern darf, wo der Server läuft und was mit den Daten passiert.
Juno oder eigene Automatisierung?
Juno ist kein Ersatz für alles, was du heute schon automatisiert hast. Die Abgrenzung sieht für uns so aus:
- Juno übernimmt Standardaufgaben, die in jedem Handel ähnlich laufen: Nachbestellen, wiederkehrende Kundenanfragen, Preise im Rahmen einer Marge. Er kennt die JTL-Welt und arbeitet in den JTL-Anwendungen.
- JTL-Workflows bleiben das Werkzeug für feste Regeln in deinem Betrieb: Wenn das passiert, dann mach das. Sie sind vorhersehbar und brauchen keine KI.
- Eigene Anbindungen an ChatGPT, Claude oder Automatisierungen mit n8n sind sinnvoll, wenn dein Prozess speziell ist oder Systeme außerhalb von JTL beteiligt sind.
Bestellvorschläge kann die Wawi übrigens schon lange. Neu an Juno ist, dass der Vorschlag nach deinem Zeitplan fertig vorbereitet auf dem Tisch liegt, statt dass du ihn selbst anstößt und durchgehst.
Unsere Einschätzung
Juno startet mit dem Einkauf, und das ist klug gewählt: Bestellvorschläge sind gut messbar, und ein falscher Vorschlag richtet weniger Schaden an als eine falsche Preisänderung. Gleichzeitig ist ein Vorschlag nur so gut wie die Daten dahinter. Wenn Bestände verspätet gebucht werden, Lieferzeiten nicht gepflegt sind oder Mindestbestände seit Jahren niemand angefasst hat, schlägt auch die beste KI das Falsche vor.
Unsere Empfehlung für Oktober 2026:
- Pflege jetzt die Daten, die Juno als Erstes braucht: Lieferanten, Lieferzeiten, Einkaufspreise, Mindestbestände. Das lohnt sich auch ohne Juno.
- Plane das Update auf Version 2.2 in Ruhe. Spiel es nicht zwischen Tür und Angel ein, nur um auf die Beta-Liste zu kommen. Teste vorher, ob deine Vorlagen, Schnittstellen und Plugins mitspielen.
- Leg die Freigaberegeln fest, bevor der Agent mehr darf als vorschlagen.
- Trag dich für die Beta ein, wenn du die Voraussetzungen erfüllst. Kosten entstehen keine, und du bist früh dabei, wenn die nächsten Funktionen kommen.
Wenn du für das Update auf 2.2 oder die Verbindung zur JTL Cloud Unterstützung willst, übernehmen wir das beim sicheren Wawi-Update. Und wenn du KI für einen Prozess brauchst, den Juno nicht abdeckt, schau dir unsere ChatGPT-Anbindung an JTL-Wawi und die automatisierten JTL-Workflows an.
Häufige Fragen
Seit wann gibt es Juno?
JTL hat Juno zur JTL Connect am 2. Oktober 2026 in der Closed Beta gestartet.
Kann jeder Juno nutzen?
Registrieren kann sich jeder, der die Voraussetzungen erfüllt. Freigeschaltet werden zu Beginn aber nur wenige Händler, weil JTL jede Freischaltung mit einem persönlichen Onboarding verbindet.
Muss ich meine Wawi in die Cloud umziehen?
Nein. Juno funktioniert laut JTL mit dem lokal installierten ERP und mit der Cloud gleichermaßen. Die Wawi muss nur mit der JTL Cloud verbunden sein.
Ändert Juno ohne mein Wissen Preise oder bestellt Ware?
Nein. Standardmäßig schlägt Juno vor und handelt erst nach deiner Freigabe. Preisanpassungen kann Juno in der Closed Beta ohnehin noch nicht.
Kann ich mit dem MCP-Server von JTL heute schon meine Wawi an ChatGPT oder Claude anbinden?
Mit dem offiziellen MCP-Server für die Entwicklerdoku nicht, der kennt nur die Dokumentation. Die Verbindung zwischen dem MCP-Server des ERP und Juno ist laut JTL in Arbeit. Für eine KI-Anbindung deiner Wawi brauchst du heute eine eigene Lösung.
Stand: 12. Oktober 2026. Quellen: JTL-Guide „FAQ zu Juno“, Produktseite „Juno: Der KI-Agent für deinen E-Commerce“, JTL-Entwicklerdokumentation „Build with AI“.
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