Auf der JTL Connect am 2. Oktober in Köln hat JTL gezeigt, wohin die Reise geht: ein neues Cloud ERP und mit Juno ein eigener KI-Agent. Dahinter steht eine ganze Plattform, die JTL neben die gewohnte Wawi gestellt hat. Mit ihr kommen neue Begriffe wie JTL ID, JTL Hub, Cloud ERP und Cloud API, und dazu neue Produktnamen unter dem Dach von ONE JTL: Aus JTL-Wawi wird „ERP“, aus der JTL-Wawi API die „ERP API“.
Für dich als Händler stellen sich damit ganz praktische Fragen. Brauche ich jetzt eine JTL ID? Was unterscheidet den Hub vom Kundencenter? Muss meine Wawi in die Cloud? Und wann lohnt sich ein Update?
In diesem Beitrag ordnen wir das als JTL Service Partner für dich ein: was die Begriffe bedeuten, was davon heute schon läuft und wann du wirklich handeln musst. Stand ist der 12. Oktober 2026. Vieles davon ist bei JTL noch Beta und ändert sich gerade von Woche zu Woche.
Das Wichtigste in Kürze
- JTL Cloud ist die Plattform, JTL Hub die Verwaltungsoberfläche dafür, die JTL ID dein persönlicher Login.
- Deine JTL-Wawi bleibt lokal installiert. Die Cloud ergänzt sie, sie ersetzt sie nicht.
- Die JTL ID hat ein eigenes Passwort. Deine Zugangsdaten fürs Kundencenter funktionieren im Hub nicht.
- Spätestens mit JTL-Wawi 2.2 ist die Verbindung zur JTL Cloud vollständig ausgebaut. Tools kommen dann an deine Wawi, ohne dass du Ports öffnest oder an der Firewall schraubst. Welche App was darf, entscheidest weiterhin du.
- Cloud ERP steckt in der Closed Beta. Ohne Freischaltung kommst du nicht rein.
- Kein Update nur wegen der Cloud. Stimm den Update-Pfad mit deinem Servicepartner ab.
Die Begriffe auf einen Blick
- JTL Cloud: Die Plattform für alle Cloud-Dienste von JTL
- JTL ID: Dein persönliches Konto für alle Cloud-Dienste (account.jtl-cloud.com)
- Organisation: Deine Firma in der JTL Cloud, an ihr hängen Apps und die Verbindung zur Wawi (im JTL Hub)
- JTL Hub: Verwaltung von Apps, Mitarbeitenden, Rollen, Abos und der Verbindung zur Wawi (hub.jtl-cloud.com)
- JTL-Kundencenter: Verträge, Lizenzen und Rechnungen (kundencenter.jtl-software.de)
- ERP (bisher JTL-Wawi): Deine Warenwirtschaft, weiter lokal installiert
- Cloud ERP: Browser-Oberfläche für das ERP, aktuell Closed Beta (als App im Hub)
- ERP API (bisher JTL-Wawi API): Die Tür, durch die andere Programme an deine Wawi kommen
- Juno: KI-Agent von JTL, aktuell Closed Beta (im JTL Hub)
Hub, JTL ID und Kundencenter: drei Zugänge
Stell dir die JTL Cloud wie ein Firmengebäude vor. Die JTL ID ist dein persönlicher Mitarbeiterausweis, die Organisation ist deine Firma im Gebäude, und der JTL Hub ist der Empfang, an dem du Leute einlädst und festlegst, wer wohin darf.
Laut JTL-Guide verteilt sich das auf drei Bereiche:
- Kontoeinstellungen (account.jtl-cloud.com): alles, was zu dir als Person gehört, also Passwort und Zwei-Faktor-Anmeldung.
- JTL Hub (hub.jtl-cloud.com): alles, was zu deiner Firma gehört, also Apps, Mitarbeitende, Rollen, Abos und die Verbindung zur Wawi.
- JTL-Kundencenter: Verträge, Lizenzen und Rechnungen.
Langfristig soll der Hub das Kundencenter ablösen, einen Termin nennt JTL nicht. Bis dahin hast du zwei Logins. Mit derselben JTL ID kannst du in mehreren Organisationen Mitglied sein, etwa wenn du zwei Firmen führst. Ein Kundenkonto lässt sich dagegen nur mit einer Organisation verknüpfen.
Ersetzt die Cloud meine Wawi?
Nein. Laut JTL bleibt die Wawi lokal installiert, die Cloud-Apps werden zentral über die JTL Cloud aktualisiert. JTL nennt das ein hybrides Modell. Wir beziehen uns in diesem Ratgeber auf JTL-Wawi 2.2.
Für den Alltag heißt das: Deine Wawi läuft weiter bei dir. Apps aus dem Hub brauchen dagegen laut JTL immer eine aktive Verbindung zur JTL Cloud, zur Wawi-API und zu den Cloud-Diensten auf deinem Wawi-Rechner. Wenn eine App hakt, prüfst du zuerst diese Verbindung und den Status der JTL Cloud auf status.jtl-cloud.com.
Die Verbindung zur Wawi-API: einfacher, aber nicht automatisch sicher
Bisher war die Anbindung von Tools an die Wawi-API aufwendig. Entweder lief das Tool bei dir im Haus, oder die Wawi musste von außen erreichbar sein, mit Portfreigaben, Firewall-Regeln und allem, was dazugehört.
Spätestens mit dem Release von JTL-Wawi 2.2 ist die Verbindung zur JTL Cloud vollständig ausgebaut, und JTL übernimmt auch den Teil mit der API. Die Cloud-Dienste auf deinem Wawi-Rechner halten die Verbindung, und Tools erreichen deine Wawi über die JTL Cloud. Du musst dafür keine Ports öffnen und deine Wawi nicht von außen erreichbar machen. Das ist ein echter Fortschritt, gerade für Händler ohne eigene IT.
Sicherheit wird damit aber nicht zur Sache von JTL allein. Eine App, die über die Cloud an deine Wawi angebunden ist, kann je nach Freigabe Aufträge, Artikel, Kunden und Bestände lesen und auch ändern. Deine Aufgabe bleibt:
- Apps nur von Anbietern installieren, denen du vertraust.
- Vor der Installation prüfen, welche Rechte eine App verlangt und ob sie nur lesen oder auch schreiben will.
- Die Rolle Administration im Hub nur an die Leute geben, die sie wirklich brauchen.
- Klären, wo der Anbieter deine Daten verarbeitet und speichert.
Extra kostet die Nutzung über die Cloud laut JTL nichts, sie ist in deiner Edition enthalten. Je Edition gibt es aber eine Obergrenze für die Zahl der Anfragen, in der kostenlosen Edition JTL Start ist sie niedriger. Konkrete Zahlen hat JTL noch nicht veröffentlicht. Für Entwickler stehen die Details in der Entwicklerdokumentation.
Was ist die Cloud ERP?
Die Cloud ERP ist die Browser-Oberfläche für das ERP. Laut JTL-Guide gibt es zwei Wege dorthin:
- Managed ERP: JTL betreibt für dich eine eigene Wawi in der Cloud, du arbeitest nur im Browser. Gedacht für Händler, die neu mit JTL starten.
- Vorhandenes JTL ERP verbinden: Du betreibst deine Wawi weiter selbst und verbindest sie mit der Cloud ERP.
Beides ist Closed Beta. Die Kachel für die Cloud ERP siehst du erst, wenn JTL dich freigeschaltet hat. Wenn die Cloud ERP „Kein Zugriff“ meldet, prüf zuerst die Freischaltung, bevor du an deiner Einrichtung zweifelst.
Als komplettes ERP richtet sich die Beta laut JTL an kleine Händler: eigener Shop plus zwei bis vier Marktplätze, bis zu 150 Bestellungen am Tag aus dem eigenen Lager, einfache Artikel ohne Variationen. Wer Varianten, mehrere Lager oder JTL-WMS nutzt, wird sie in dieser Phase nicht als Ersatz für die Wawi einsetzen.
Davon zu trennen sind die Apps aus dem Hub. Nicht jede davon läuft in der Cloud ERP. Manche öffnest du über eine Kachel im Hub, manche erscheinen in der Cloud ERP als eigene Seite oder als Seitenleiste neben einem Kunden oder Auftrag, und andere arbeiten ganz ohne eigene Oberfläche im Hintergrund. Shipping 2.0 zeigt, wie beide Welten zusammenspielen: Versandverträge, Versandarten und Drucker richtest du in der Shipping-App in der Cloud ein, die Versandarten verknüpfst du mit deiner Wawi, und die Labels druckst du wie gewohnt aus der lokalen Wawi.
Welche Apps es heute gibt
Laut JTL-Guide gibt es in der JTL Cloud aktuell: Shipping 2.0, Documents (Belegarchivierung), Returnless, WMS Dashboard, JTL2DATEV Start sowie Cloud ERP und Juno in der Closed Beta. Die JTL Cloud selbst bezeichnet JTL noch als Open Beta.
Den praktischsten Grund für den Hub liefert der Versand. Die Versanddienstleister schalten ihre alten Schnittstellen ab, laut JTL GLS zum 31. Dezember 2026 und DPD voraussichtlich Anfang 2027. Wer auf Shipping 2.0 umsteigt, braucht die Verbindung zur JTL Cloud. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Umstieg auf JTL-Shipping 2.0.
So verbindest du deine Wawi mit der JTL Cloud
Die ausführliche Anleitung steht im JTL-Guide. Der Ablauf in Kurzform:
- JTL ID anlegen auf hub.jtl-cloud.com, mit eigenem Passwort.
- Zwei-Faktor-Anmeldung einrichten. Für die Rolle Administration ist sie Pflicht.
- Organisation einrichten und dein Kundenkonto aus dem Kundencenter verknüpfen.
- JTL-Administrator öffnen auf dem Wawi-Rechner und den Einrichtungswizard starten.
- Profil und Mandant wählen, mit der JTL ID anmelden, Organisation auswählen. Der Wizard verbindet immer einen Mandanten mit einer Organisation.
- Windows-Dienste installieren lassen: JTL-EventBus HostMode, JTL-EventBus TenantMode, Wawi-API und, wenn du Documents nutzen willst, JTL-Archive.
- Verbindung prüfen in der Wawi unter Admin > JTL-Cloud-Verbindung. Dort muss „Verbunden“ stehen, Wawi-API und Cloud-Dienste müssen erreichbar sein.
Typische Stolperstellen
Die Antworten stammen aus dem JTL-Guide:
- Passwort wird nicht akzeptiert: Wahrscheinlich ist es das Passwort aus dem Kundencenter. Die JTL ID hat ein eigenes, und ein Kundenkonto erzeugt keine JTL ID. Du musst dich einmal neu registrieren.
- Smartphones sind bei euch verboten: Die Zwei-Faktor-Anmeldung geht auch mit einem FIDO2-Sicherheitsschlüssel, mit Windows Hello oder Touch ID oder mit einer Authenticator-App auf dem Rechner. Leg deren Codes nicht in denselben Passwortmanager wie dein JTL-ID-Passwort.
- Code bei jeder Anmeldung nervt: Auf eigenen Geräten kannst du die Abfrage für 30 Tage aussetzen. Abschalten lässt sich die Pflicht für Admins nicht, nach Vergabe der Rolle hast du sieben Tage Zeit.
- Verbindung steht, App findet die Wawi nicht: Im JTL-Administrator unter Dienste prüfen, ob alle Windows-Dienste laufen. Startet einer nicht, hilft laut JTL oft Löschen und neu Anlegen. Bei der Wawi-API dann die Checkbox Cloud-Verbindung aktivieren.
- Falsches Kundenkonto verknüpft: Umhängen geht noch nicht. JTL beschreibt einen Umweg über eine zweite JTL ID und eine Einladung als Administrator.
Und Juno?
Juno ist der KI-Agent von JTL und auf der Connect in die Closed Beta gestartet. Zum Start macht Juno laut JTL Bestellvorschläge auf Basis deines Bestands, weitere Funktionen sind in Arbeit. Voraussetzung ist das ERP ab Version 2.2 mit Verbindung zur JTL Cloud. Was Juno heute wirklich kann und was ein MCP-Server damit zu tun hat, steht in unserem Ratgeber zu Juno.
Was wir in der Praxis sehen
Wir betreuen über 500 aktive Kunden. Ehrlich gesagt: Mit der Cloud ERP haben wir noch keine tiefe Praxiserfahrung aus dem Kundenbetrieb. Bei uns läuft sie im Labor, und wir schauen uns gerade an, was sich damit künftig sinnvoll lösen lässt. Einzelne Anbindungen haben wir bei Kunden schon über die API umgesetzt.
Gleichzeitig gehen viele Sonderentwicklungen, die wir für Kunden bauen, heute noch direkt auf die Datenbank der Wawi, weil die API noch nicht alles abdeckt, was dafür nötig ist. Solche Lösungen hängen an der Version deiner Wawi. Ein Update kann sie betreffen, auch wenn es auf den ersten Blick nur um die Cloud geht.
Offen ist für uns noch, wie stark künftige Updates und Umstellungen der API voraussetzen werden, dass die lokale Wawi mitzieht. Wir setzen auf eine möglichst hohe Abwärtskompatibilität der Schnittstellen, sehen es aber heute noch nicht. Solange bei dir lokale Anwendungen laufen, stimmst du den Update-Pfad mit deinem JTL-Servicepartner ab. Bei unseren Kunden spielen wir Updates nach Absprache ein und nehmen nicht jede Version mit.
Musst du jetzt handeln?
Das hängt davon ab, was du vorhast:
- Du musst auf Shipping 2.0 umsteigen: Richte jetzt Hub und Cloud-Verbindung ein, mit einer JTL ID pro Mitarbeitendem und einem klaren Admin. Das Update dafür planst du mit deinem Servicepartner.
- Du willst eine bestimmte App nutzen: Prüf, welche Version und Edition sie voraussetzt. Erst dann entscheidest du über ein Update.
- Du willst Juno testen: Das ist freiwillig. Juno braucht 2.2. Spiel das Update nicht zwischen Tür und Angel ein, nur um auf die Beta-Liste zu kommen.
- Du startest neu mit einem einfachen Sortiment: Die Cloud ERP als Managed ERP ist einen Blick wert. Rechne in der Beta mit Lücken.
- Du hast Varianten, mehrere Lager, JTL-WMS oder Sonderentwicklungen: Deine Abläufe bleiben in der lokalen Wawi, die Cloud-Apps nutzt du, wo sie dir etwas bringen. Vor jedem Update prüfst du Schnittstellen, eigene Tools, Workflows und Versandprozesse auf Verträglichkeit.
Wenn du dabei Unterstützung willst, übernehmen wir das im Rahmen unseres Supports für JTL-Wawi oder beim sicheren Wawi-Update.
Häufige Fragen
Brauche ich eine JTL ID, wenn ich die Cloud gar nicht nutzen will?
Für die klassische Wawi nicht. Sobald du eine App aus dem Hub nutzen willst, zum Beispiel Shipping 2.0, brauchst du eine JTL ID und eine Organisation.
Ist die JTL ID dasselbe wie mein Kundenkonto?
Nein. Die JTL ID ist ein eigener Login mit eigenem Passwort. Das Kundencenter bleibt für Verträge, Lizenzen und Rechnungen zuständig.
Wandern meine Daten in die Cloud, wenn ich die Wawi verbinde?
Deine Wawi und ihre Datenbank bleiben, wo sie sind. Was eine angebundene App mit deinen Daten macht, ob sie sie nur anzeigt, verarbeitet oder beim Anbieter speichert, hängt von der App ab. Das klärst du vor der Installation. Nur bei Managed ERP betreibt JTL die Wawi selbst in der Cloud.
Warum sehe ich die Cloud ERP nicht im Hub?
Die Cloud ERP ist in der Closed Beta. Die Kachel erscheint erst nach der Freischaltung durch JTL. Anmelden kannst du dich auf der Beta-Seite von JTL.
Muss ich wegen der Cloud sofort auf 2.2 updaten?
Nein. Ein Update lohnt sich, wenn du etwas brauchst, das es voraussetzt, etwa den Umstieg auf Shipping 2.0 oder eine bestimmte App. Den Zeitpunkt stimmst du mit deinem Servicepartner ab, vor allem wenn bei dir eigene Schnittstellen oder Sonderentwicklungen laufen.
Stand: 12. Oktober 2026. Quellen: JTL-Guide (JTL Cloud, JTL Hub, JTL ID, Cloud ERP, Shipping 2.0, Juno), JTL-Entwicklerdokumentation, Produktseiten von JTL zu JTL Cloud und Cloud ERP.
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