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Brexit Steuereinstellungen für JTL Wawi ab dem 01.01.2021

30.12.2020 20:15

Nun sind wir als go eCommerce sicher kein Steuerberater und möchten auch dringend davon abraten diesen Newsbeitrag als Referenz zum Thema Steuereinstellungen in JTL-Wawi zu nutzen. Nachdem mich heute Jan Paul Elchlepp (mittlerweile freiberuflicher Berater) angeschrieben hat und mich fragte, was es wohl mit dem veröffentlichten Video von Manuel Pietzsch seitens JTL-Software auf sich hat, haben wir uns in das Thema Brexit und die damit verbundene Steuerthematik eingelesen. JTL empfiehlt in seinem Video Großbritannien aus der Zone EU zu entfernen und in der Zone-Nicht-EU einzufügen.

Nach unseren Recherchen halten wir diese Vorgehensweise für sehr kritisch.

Direkt zum Video von JTL

Den Ausschlaggebenden Hinweis unserer Recherche gab uns der Blogbeitrag von Taxdoo in dem es heißt:


(Quelle: Direkt zum Blogbeitrag von Taxdoo )

Die Britische Sicht

Aus britischer Sicht sind die folgenden Fallkonstellationen zu beachten. Diese unterscheiden sich darin, welchen Vertriebskanal ihr verwendet – Marktplatz versus Webshop – und ob der Wert der Lieferungen über 135 Pfund liegt oder darunter.

Dabei stellen wir einen Grundsatz voran.

Grundsatz: Lieferungen bzw. Importe, die einen Wert von 135 Pfund (netto und exklusive Transportkosten) nicht überschreiten, sind in Großbritannien von der Einfuhr(!)umsatzsteuer befreit. Dennoch unterliegt jede Lieferung unabhängig von der Höhe des Warenwertes in Großbritannien letztendlich der Umsatzsteuer.

Schauen wir uns die Fälle nacheinander an.

Fall 1: Ihr liefert über euren Webshop Ware aus der EU (z.B. Deutschland) nach Großbritannien – Warenwert bis 135 Pfund. Direkte Lieferungen aus Deutschland bzw. der EU nach Großbritannien über den Webshop sind von Zoll und Einfuhrumsatzsteuer befreit.

Die Umsatzsteuer entsteht in diesen Fällen in Großbritannien am Point-of-Sale.

Was bedeutet das? Führt ihr ab dem 1.1.2021 auch nur eine solche Lieferung durch, müsst ihr euch in Großbritannien steuerlich registrieren und quartalsweise eure Umsatzsteuer deklarieren und abführen, da ihr in Großbritannien steuerbare Lieferungen tätigt.

Fall 2: Ihr liefert über euren Webshop Ware aus der EU (z.B. Deutschland) nach Großbritannien – Warenwert über 135 Pfund. Dieser Fall ist eine Abwandlung von Fall 1. Die Umsatzsteuer entsteht hier nicht am Point-of-Sale, sondern beim Import.

Was bedeutet das? Auch in diesem Fall fällt für eure Lieferung Umsatzsteuer an – nur eben in Form von Einfuhrumsatzsteuer, und zwar unmittelbar mit dem Import in Großbritannien. Ihr müsst für diese Fälle nicht zwingend umsatzsteuerlich registriert sein. Allerdings könnt ihr im Rahmen einer umsatzsteuerlichen Registrierung die Einfuhrumsatzsteuer gesammelt im Folgemonat erklären und abführen – und nicht wie anderenfalls unmittelbar beim Import.


Einfach Großbritannien in die Zone-Nicht-EU verschieben?

Da in Großbritannien eine Steuerpflicht gilt und Ihr diese Umsatzsteuer auch Quartalsweise abführen müsst. Hätte diese Vorgehensweise zur Auswirkung, dass Waren, welche in eurem Webshop verkauft werden und der Gesamtwert unter 135 Pfund liegt, steuerfrei nach Großbritannien versendet werden. Sofern Ihr also Steuerfrei verkauft, werden irgendwann alle Sendungen nach Großbritannien nachversteuert werden müssen. Entsprechend macht Ihr 20% Verlust vom Nettoverkaufspreis.

Wie geht es weiter?

Aufgrund der Brisanz werden Jan Paul Elchlepp und wir uns am Montag den 04.01. mit Roger Grothmann von Taxdoo unterhalten. Nachdem wir diese fundierte Meinung eingeholt haben, werden wir euch die korrekten Steuereinstellungen für JTL-Wawi präsentieren. Solange raten wir jedem Großbritannien erstmal in der Zone-EU zu belassen.

Wir wünschen euch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2021



 

Nachtrag

Was heißt das für Lebensmittel?

Sofern man sich das Steuerrecht in Großbritannien näher anschaut wird man feststellen, dass Großbritannien über drei Steuersätze verfügt. (Quelle Mehrwertsteuerrechner.de)

Seit 2011 zahlen die Briten den Normalsatz mit 20% für die meisten Güter und Dienstleistungen, die auf der Insel umgesetzt werden. Außerdem gibt es einen ermäßigten Satz von 5%, der unter anderem für folgende Produkte angewandt wird:

  • Heizöl
  • Erdgas
  • Sozialer Wohnungsbau
  • Elektrizität

Daneben gibt es einige Güter und Dienstleistungen, für die keine Umsatzsteuer im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland gezahlt werden muss. Dazu gehören:

  • fast alle Nahrungsmittel
  • Medikamente, die von einem Arzt verordnet werden
  • Bücher und Zeitungen
  • Kinderkleidung
  • medizinisches Gerät
  • Taxifahrten, Bustickets, Zugfahrkarten und sonstige öffentliche Personenbeförderung